Das Federal Bureau of Investigation (FBI) hat am 21. Mai 2026 eine öffentliche Sicherheitswarnung zu einer neuen „Phishing-as-a-Service“-Plattform namens Kali365 veröffentlicht. Die Plattform ermöglicht es Cyberkriminellen, Zugriff auf Microsoft-365-Konten zu erhalten, ohne klassische Zugangsdaten wie Passwörter stehlen zu müssen und bestehende Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen. Laut der Warnung wird Kali365 seit April 2026 vor allem über Telegram verbreitet und richtet sich gezielt gegen Unternehmen, Behörden und Privatpersonen, die Microsoft-365-Dienste wie Outlook, Teams oder OneDrive nutzen.
Angriff ohne Passwortdiebstahl
Besonders gefährlich ist laut FBI, dass Kali365 keine herkömmliche Passwortabfrage benötigt. Stattdessen missbrauchen Angreifer den sogenannten „Device Code Flow“ von Microsoft.
Dabei läuft der Angriff typischerweise in vier Schritten ab:
1. Phishing-Mail mit angeblich legitimer Anmeldung
Die Opfer erhalten eine E-Mail, die aussieht, als stamme sie von bekannten Cloud- oder Dokumentendiensten. Darin befindet sich ein Gerätecode sowie die Aufforderung, eine echte Microsoft-Anmeldeseite zu besuchen.
2. Nutzer autorisiert unwissentlich den Angreifer
Das Opfer gibt den Gerätecode auf der legitimen Microsoft-Seite ein. Dadurch wird jedoch nicht der eigene Rechner autorisiert, sondern das Gerät des Angreifers.
3. OAuth-Token werden abgegriffen
Anschließend erhält der Angreifer sogenannte OAuth-Zugriffs- und Refresh-Tokens. Diese ermöglichen dauerhaften Zugriff auf das Microsoft-365-Konto – ohne Passwort und ohne weitere MFA-Abfragen.
4. Dauerhafter Zugriff auf Unternehmensdaten
Mit den Tokens können Kriminelle E-Mails lesen, Dateien herunterladen, Teams-Nachrichten überwachen oder sich lateral im Unternehmensnetzwerk bewegen.
Warum Kali365 besonders gefährlich ist
Nach Einschätzung des FBI senkt Kali365 die technische Einstiegshürde für Cyberkriminelle erheblich. Die Plattform bietet unter anderem:
- KI-generierte Phishing-Nachrichten
- Automatisierte Angriffsvorlagen
- Echtzeit-Dashboards zur Überwachung von Opfern
- Token-Diebstahl ohne Passwortabgriff
- Persistenten Zugriff auf Microsoft-365-Umgebungen
Dadurch können auch weniger technisch versierte Täter professionelle Phishing-Kampagnen durchführen.
FBI empfiehlt sofortige Schutzmaßnahmen
Das FBI empfiehlt Unternehmen und IT-Abteilungen, den sogenannten Device Code Flow möglichst einzuschränken oder vollständig zu deaktivieren.
Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören:
- Conditional-Access-Richtlinien erstellen, die Device-Code-Anmeldungen blockieren
- Bestehende Device-Code-Nutzung überprüfen
- Übertragung von Authentifizierungen zwischen Geräten verhindern
- Notfallkonten von Einschränkungen ausnehmen, um Aussperrungen zu vermeiden
- Verdächtige OAuth-Sitzungen und aktive Geräte regelmäßig kontrollieren
Zusätzlich sollten Mitarbeitende sensibilisiert werden, niemals Gerätecodes aus E-Mails ungeprüft auf Microsoft-Seiten einzugeben.
Meldung an Behörden empfohlen
Betroffene Organisationen, Unternehmen oder Nutzer sollten Vorfälle – zusätzlich zu internen Sicherheitsmaßnahmen – bei mehreren Stellen melden:
- Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über die Meldestelle für Cybervorfälle.
BSI – Cyber-Sicherheitsvorfall melden - Bei der örtlich zuständigen Polizei oder direkt bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des jeweiligen Bundeslandes. Viele Landeskriminalämter bieten Online-Meldungen an.
- Über die bundesweite Onlinewache der Polizei, insbesondere wenn finanzielle Schäden, Identitätsdiebstahl oder kompromittierte Firmenkonten betroffen sind.
Onlinewachen der Polizeien in Deutschland - Unternehmen mit kritischer Infrastruktur oder meldepflichtigen IT-Systemen müssen Vorfälle unter Umständen verpflichtend an das BSI melden.
- Falls ein Microsoft-365-Konto kompromittiert wurde, sollte der Vorfall zusätzlich bei Microsoft Security Response Center dokumentiert werden.
Wichtige Informationen, die einer Meldung beigefügt werden sollten:
- Phishing-Mail inklusive vollständigem Header
- Zeitpunkt der verdächtigen Anmeldung
- IP-Adressen und Standorte aus den Login-Protokollen
- Unbekannte Geräte oder aktive Sessions
- Betroffene Benutzerkonten und Dienste
- Screenshots oder exportierte Audit-Logs aus Microsoft 365
Sofortmaßnahmen nach einem Verdacht:
- Conditional-Access-Regeln verschärfen
- Alle aktiven Sitzungen in Microsoft 365 beenden
- OAuth-Token und App-Berechtigungen widerrufen
- Passwörter ändern
- MFA neu registrieren
- Login- und Audit-Logs prüfen
Die vollständige FBI-Warnung findet sich auf der offiziellen Website des FBI:
FBI Public Service Announcement zu Kali365
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