Meta weitet Datennutzung aus: Personalisierung soll künftig auch Feeds und KI-Antworten beeinflussen

Meta will die Nutzung von Daten ausweiten, die dem Konzern von anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Bislang dienten diese Informationen vor allem dazu, Werbung auf Facebook und Instagram gezielter auszuspielen. Künftig sollen sie auch darüber entscheiden, welche Inhalte Nutzer in ihren Feeds sehen und welche Antworten die künstliche Intelligenz des Unternehmens liefert.

Nach Angaben von Meta nutzen täglich rund 3,5 Milliarden Menschen die Dienste des Konzerns. Personalisierung sei dabei ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Sie helfe Nutzern, schneller relevante Inhalte zu finden, und ermögliche gleichzeitig ein werbefinanziertes Angebot, das kostenlos genutzt werden könne. Als Beispiele nennt das Unternehmen lokale Geschäfte, Freizeitangebote oder Produkte, die für einzelne Nutzer von Interesse sein könnten.

Nutzung externer Daten als Grundlage

Für diese Personalisierung greift Meta seit Jahren auf Informationen zurück, die von anderen Unternehmen übermittelt werden. Dazu gehören etwa Online-Einkäufe, die Nutzung von Apps oder Aktivitäten auf fremden Webseiten. Nach Unternehmensangaben werden keine neuen Daten erhoben. Stattdessen werde die Verwendung bereits vorhandener Informationen auf weitere Bereiche ausgeweitet.

Genau an diesem Punkt beginnt jedoch die Kritik. Während Nutzer bislang vor allem damit rechnen mussten, dass ihre Aktivitäten außerhalb der Meta-Plattformen für Werbezwecke genutzt werden, soll dieselbe Datengrundlage nun auch die Inhalte in sozialen Netzwerken und die Antworten von KI-Systemen beeinflussen. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Werbung, Informationsangeboten und künstlicher Intelligenz zunehmend.

Änderungen bei den Datenschutzeinstellungen

Meta argumentiert, dass Nutzer selbst entscheiden könnten, ob diese Daten für Personalisierungszwecke verwendet werden. Dazu wird die Einstellung „Activity from other businesses“ erweitert. Gleichzeitig schafft das Unternehmen jedoch eine bisher bestehende Kontrollfunktion ab: Die Option „Your activity off Meta technologies“, mit der Nutzer bestimmte externe Aktivitäten von ihrem Konto trennen konnten, wird eingestellt.

Offiziell spricht Meta von einer Vereinfachung der Datenschutzeinstellungen. Kritiker könnten darin jedoch auch eine Einschränkung der Kontrolle sehen. Denn während das Unternehmen betont, die Einstellungen würden übersichtlicher, verschwindet zugleich eine Möglichkeit, die Verknüpfung externer Aktivitäten mit dem eigenen Profil einzuschränken.

Auswirkungen auf Inhalte und KI-Systeme

Besonders umstritten ist die Ausweitung auf nicht-werbliche Inhalte. Wer beispielsweise online ein Zelt kauft, könnte künftig nicht nur passende Anzeigen sehen, sondern auch mehr Camping-Videos, Outdoor-Beiträge oder entsprechende Empfehlungen der KI erhalten. Meta beschreibt dies als Verbesserung des Nutzererlebnisses. Datenschützer warnen dagegen vor einer weiteren Verstärkung personalisierter Informationsräume, in denen Nutzer zunehmend Inhalte sehen, die auf bereits bekannte Interessen zugeschnitten sind.

Transparenz und Datenflüsse zwischen Unternehmen

Hinzu kommt ein Transparenzproblem. Vielen Nutzern dürfte nicht bewusst sein, welche Unternehmen überhaupt Daten an Meta weitergeben. Zahlreiche Webseiten, Apps und Händler nutzen Werbe- und Tracking-Technologien, die Informationen über das Verhalten ihrer Kunden an Plattformen wie Meta übermitteln. Auch Kundenlisten von Unternehmen können für die Personalisierung von Werbung und Inhalten verwendet werden.

Bedeutung für KI und digitale Informationsräume

Die Neuerung zeigt zugleich, welche Rolle Daten für die Zukunft von KI-Systemen spielen. Je mehr Informationen über Vorlieben, Interessen und Konsumverhalten vorliegen, desto stärker lassen sich KI-Antworten auf einzelne Nutzer zuschneiden. Damit wächst jedoch auch die Frage, wie objektiv oder vielfältig solche Antworten künftig noch sein können, wenn sie zunehmend auf persönlichen Profilen basieren.

Meta verkauft es als „bessere Personalisierung“, doch in Wahrheit ist es ein Schachzug zur Machtübernahme. Die Abschaffung der alten Kontrolloptionen bedeutet: Wer einmal Daten teilt, verliert faktisch die Kontrolle – alles wird jetzt für Werbung und Content-Manipulation genutzt. Digitale Selbstbestimmung? Ein schöner Begriff, der hier endgültig ins Leere läuft.

Metas Rechtfertigung der Datennutzung

Meta betont, dass die Änderungen keine neue Datensammlung darstellen, sondern lediglich eine neue Nutzung bereits vorhandener Informationen. Dennoch markiert die Entscheidung einen bedeutenden Schritt: Daten, die ursprünglich vor allem für Werbezwecke eingesetzt wurden, werden künftig zu einem zentralen Baustein der gesamten Nutzererfahrung – von Social-Media-Feeds bis hin zu KI-generierten Antworten.

Die Änderungen sollen zunächst in den USA sowie mehreren weiteren Ländern eingeführt werden. Weitere Staaten sollen folgen. Die Debatte über Datenschutz, Transparenz und den wachsenden Einfluss großer Technologiekonzerne auf die digitale Informationswelt dürfte damit neuen Auftrieb erhalten.

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