Das Geschäft mit der Angst in einer digitalen Welt

Der Herzschlag erhöht sich, der Adrenalinspiegel steigt, die Pupillen weiten sich, wir sind hellwach und richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Gefahr. Kaum eine Emotion berührt uns körperlich und geistig so sehr wie die Angst. Dass die Angst ein Bombengeschäft sein kann, haben bereits die religiösen Mächte im Mittelalter gewusst. Und weil Angst reflexartig die Aufmerksamkeit erhöht, wird sie als Marketinginstrument äußerst gern genutzt.

Augenblicklich sollen wir Angst vor Google und all jenen bösen Mächten haben, die unglaublich scharf auf uns und unsere Daten sind. Halt! Stopp! Hat sich eigentlich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, welchen Aufwand es in personeller und technischer Hinsicht bedeutet, uns alle, Tag für Tag, bis ins kleinste Detail zu überwachen und auszuspionieren? In Deutschland sind das immerhin 81,89 Millionen Bundesbürger, die überwacht und ausspioniert werden müssten. Ich will das Thema Datensicherheit und Sicherheit im Internet hiermit nicht herunterspielen, ganz im Gegenteil, ich halte es für äusserst wichtig. Aber, für wie wichtig halten wir uns alle und zwar jedes einzelne Individuum für sich, dass wir glauben, dass die bösen Mächte scharf auf uns, unser Leben, unsere ganzen bedeutungslosen Handlungen und unsere Daten sind? Sofern wir eine ganz normales und unbescholtenes Leben führen, ist der einzig interessante Aspekte, der für Marketingverantwortliche interessant ist, unser Kauf- und Nutzerverhalten im Internet. Diese Daten werden nicht von menschen, sondern von Nullen und Einsen, von Algorithmen erfasst, analysiert und ausgewertet. Habt ihr etwa Angst vor Nullen und Einsen, oder vor Algorithmen? Ich nicht!

Und wenn ich dann Schlagzeilen wie „Google – Konkurrenten bekennen öffentlichkeitswirksam ihre Angst“ lese, wird mir ganz schlecht. Denn all jene Konkurrenten, die sich jetzt vor der Macht von Google fürchten, und auch wir, jeder Einzelne für sich, haben Google so mächtig gemacht wie es heute nun mal eben ist. Mir zumindestens ist kein Fall bekannt, in dem jemand seit der Gründung von Google im Jahr 1998 dazu gezwungen wurde, die Google-Suche oder die Google-Dienste zu nutzen. 1998 und in den Folgejahren gab es „noch“ viele Alternativen auf dem Markt. Hätten wir diese anstelle von Google genutzt, wäre Google niemals so stark gewachsen.

Die größte Angst, die wir haben, ist die Angst vor Veränderungen. Die sich augenblicklich vollziehende Wandlung in eine digitale Gesellschaft ist eine große Veränderungen. Eine Veränderung, die sich durch nahezu durch alle Lebensbereiche ziehen wird. Und das hat auch der Vatikan mittlerweile erkannt. Am 05.12.2013 verkündete Radio-Vatikan: „Keine Angst vor der digitalen Welt – Die Kirche muss lernen, in den digitalen Kommunikationsformen gut und böse zu unterscheiden, keine Angst vor den Entwicklungen zu haben und sie besser zu nutzen…“
Auch wenn ich ansonsten selten bis gar nicht mit den Ansichten und Äusserungen des Vatikans übereinstimme, muss ich in diesem Fall sagen: Na, das ist doch mal eine Ansage!

Wenn wir lernen „gut und böse“ in der digitalen Welt zu unterscheiden und wenn wir dazu bereit sind stets unsere Medienkompetenz auszubauen und zu stärken, müssen wir keine Angst vor der digitalen Welt haben. Die digitale Welt ist nicht böser als die reale Welt, sie ist einfach nur anders.

 

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