Milliarden blockierter Anzeigen – doch wie wirksam und ehrlich ist Googles Kampf gegen Betrug wirklich?
Der Technologiekonzern Google meldet für 2025 beeindruckende Zahlen: 8,3 Milliarden blockierte Werbeanzeigen weltweit. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klarer Erfolg im Kampf gegen Betrug und Missbrauch. Doch ein genauerer Blick wirft unangenehme Fragen auf – vor allem zur Ehrlichkeit dieser Bilanz.
Denn während die Zahl der entfernten Anzeigen massiv steigt, geht die Zahl der gesperrten Werbekonten zurück. Das bedeutet im Kern: Inhalte werden gelöscht, die Absender dahinter bleiben jedoch oft aktiv. Kritisch betrachtet könnte man sagen, dass Google zwar aufräumt, aber die Verursacher weitermachen lässt.
Warum lässt Google es zu, dass betrügerischer Inhalt ins System eingespeist wird?
Das Unternehmen begründet diesen Kurs mit dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz, insbesondere durch seine Gemini-Modelle. Diese sollen problematische Anzeigen frühzeitig erkennen und stoppen – oft sogar, bevor Nutzer sie sehen. Doch genau das lenkt auch von einem möglichen Problem ab: Eine hohe Zahl blockierter Anzeigen kann ebenso ein Hinweis darauf sein, wie viel betrügerischer Inhalt überhaupt erst produziert und ins System eingespeist wird.
Die Strategie wirkt daher ambivalent. Statt konsequent gegen auffällige Akteure vorzugehen, setzt Google zunehmend auf das Entfernen einzelner Anzeigen. Das mag effizient erscheinen, ist aber auch bequem. Denn Kontosperrungen sind aufwendiger, riskanter (etwa wegen möglicher Fehlentscheidungen) und könnten auch zahlende Kunden betreffen.
Google verdient sein Geld mit Werbung
Hier entsteht der Eindruck eines Zielkonflikts: Google verdient sein Geld mit Werbung. Eine zu harte Linie gegenüber Werbekunden – selbst fragwürdigen – könnte wirtschaftlich schaden. Der KI-gestützte Ansatz erlaubt es dagegen, das Problem sichtbar zu bekämpfen, ohne die Einnahmequelle grundlegend zu gefährden.
Hinzu kommt: Betrüger nutzen selbst immer häufiger KI, um massenhaft neue Anzeigen zu generieren. Wenn nur einzelne Inhalte entfernt werden, entsteht ein Kreislauf, bei dem neue Anzeigen schneller nachkommen, als alte verschwinden. Die sinkende Zahl an Kontosperrungen könnte somit weniger ein Zeichen von Fortschritt sein, sondern eher ein Hinweis darauf, dass man sich mit der Oberfläche des Problems zufriedengibt.
Google betont zwar zusätzliche Maßnahmen wie die Verifizierung von Werbetreibenden. Doch auch das löst nicht das Grundproblem: Wer einmal im System ist, kann offenbar weiterhin aktiv bleiben, selbst wenn wiederholt gegen Regeln verstoßen wird.
Unterm Strich wirkt der Bericht deshalb wie eine gut klingende Erfolgsmeldung mit Schönheitsfehlern. Die Milliarden blockierter Anzeigen zeigen zwar technische Stärke, sagen aber wenig darüber aus, wie effektiv Google die eigentlichen Verursacher stoppt. Oder zugespitzt: Vielleicht wird hier weniger das Problem gelöst als vielmehr dessen Ausmaß verwaltet.
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