Die Pastasoße hört jetzt mit – und merkt sich alles

Falls du dachtest, dein Zuhause sei noch ein halbwegs überwachungsfreier Raum gibt es jetzt schlechte Nachrichten. Jetzt will auch deine Pastasoße wissen, was du beim Abendessen so von dir gibst. Die Marke Prego bringt mit dem „Connection Keeper“ ein Gerät heraus, das aussieht wie ein überdimensionierter Deckel, aber in Wahrheit ein stiller Zuhörer ist. Ein Knopf, und schon wird alles aufgenommen: Familiengeheimnisse, peinliche Geschichten und die ewige Diskussion, wer den Müll rausbringt.

Endlich, Überwachung mit Tomatengeschmack!

Der Clou: Das Ganze wird als Mittel gegen Smartphone-Sucht verkauft. Weniger aufs Display starren, mehr miteinander reden. Klingt gut, bis man realisiert, dass statt eines Smartphones ein Deckel in der Mitte des Tisches liegt, der jedes Wort mitschneidet.

Kein WLAN, kein Bluetooth, keine KI. Also kein „Smart Device“, sondern eher ein „ehrlich neugieriges Gerät“. Es speichert bis zu acht Stunden Gesprächszeit. Zeit genug, um ein komplettes Familienessen in ein akustisches Drama zu verwandeln.

Die Pastasoße hört jetzt mit – und merkt sich alles
Screenshot von der Internetseite von Campbells

Vom Smalltalk zur Nationalbibliothek

Wer möchte, kann die Aufnahmen bei StoryCorps hochladen oder sogar im Library of Congress archivieren lassen. Die Frage ist nicht mehr ob du cringe bist, sondern ob du historisch relevant cringe bist.

Weniger Handy, mehr Selbstzensur

Offiziell soll das Gerät Gespräche fördern. Inoffiziell sorgt es wahrscheinlich dafür, dass alle kurz überlegen, bevor sie den Mund aufmachen.

„Ganz ehrlich, ich wollte dir schon lange sagen, dass …“
alle schauen gleichzeitig auf den Aufnahme-Deckel
„… wir heute echt leckere Nudeln haben.“

Limitiert, leider

Die gute Nachricht: Es gibt weniger als 100 Stück. Für 20 Dollar bekommen US-Bürgerinnen und -Bürger Soße, Nudeln und einen kleinen Lauschangriff fürs Familienleben. Die schlechte Nachricht: Die Idee existiert jetzt und wird mit Sicherheit viele Nachahmer finden, auch ausserhalb der USA.

Gute Idee, seltsame Umsetzung

Die Grundidee ist eigentlich sympathisch: weniger Ablenkung, mehr echte Gespräche am Tisch. Nur wirkt es etwas widersprüchlich, dafür ausgerechnet ein Aufnahmegerät in die Mitte des Tisches zu legen. Familienessen war früher der Ort für ehrliche, ungefilterte Gespräche. Jetzt ist es eher ein Live-Podcast, bei dem niemand weiß, ob er gerade Hauptfigur oder peinlicher O-Ton ist.

Ein Beitrag aus der Kategorie: Total überwacht aber happy ;-)