Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden nominiert! Vorsicht vor „Award-Marketing“-Mails
Es beginnt wie so viele große Karrieren: mit einer Award-Marketing-Mail, die man nie angefordert hat. Kein Pitch, keine Bewerbung, kein nervenaufreibendes Auswahlverfahren – nur die erfreuliche Nachricht, dass das eigene Unternehmen plötzlich zu den Auserwählten des „Management Consulting Awards 2026“ gehört. Willkommen in der schillernden Welt der Business Awards, in der Exzellenz offenbar so großzügig verteilt wird wie Werbeflyer in der Fußgängerzone.
Die Botschaft ist stets wohlformuliert: Man sei „nominiert“, die Teilnahme sei „kostenlos“, der Prozess „unkompliziert“. Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Upgrade am Flughafen, nur dass man sich nicht erinnern kann, überhaupt ein Ticket gekauft zu haben. Und während man noch überlegt, wann genau die eigene Firma international preiswürdig geworden ist, wartet schon der entscheidende Button: „Yes, Join Shortlist.“
Natürlich ist das alles kein Betrug im klassischen Sinne. Niemand versucht, Passwörter abzugreifen oder Bankdaten zu erschleichen. Im Gegenteil: Die Absender geben sich Mühe, technisch sauber zu arbeiten, mit validierten Domains, funktionierenden Abmelde-Links und einem Hauch britischer Geschäftigkeit. Es wirkt seriös und genau darin liegt die Raffinesse.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht: Ist das echt?
Sondern: Was ist das wert?
Die Antwort ist so ernüchternd wie vorhersehbar: Aufmerksamkeit, gegen Aufpreis. Es handelt sich dabei um eine typische „Award-Marketing“-Mail mit fragwürdigem Nutzen.
Die Nominierung ist der Köder, die Auszeichnung das Produkt
Wer sich auf das Spiel einlässt, darf sich bald über verschiedene „Optionen“ freuen: ein hübsches Gewinner-Logo für die Website (Lizenzgebühr nicht ausgeschlossen), ein Feature im hauseigenen Online-Magazin, vielleicht sogar ein Interview, alles sorgfältig verpackt als Chance zur Sichtbarkeit. Dass diese Sichtbarkeit vor allem innerhalb des eigenen Award-Ökosystems stattfindet, wird selten betont.
Es ist ein Geschäftsmodell, das sich elegant zwischen PR, Selbstbestätigung und sanfter Eitelkeit positioniert. Denn seien wir ehrlich: Wer liest nicht gern, dass die eigene Arbeit „anerkannt“ wird? Dass man „herausragt“? Dass man Teil einer „internationalen Auswahl“ ist? Es kratzt genau dort, wo unternehmerischer Ehrgeiz und menschliche Anerkennungssehnsucht sich treffen.
Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn echte Auszeichnungen haben üblicherweise eines gemeinsam: Konkurrenz, eine Jury und Kriterien. Und vor allem die Möglichkeit, auch einmal nicht zu gewinnen. Hier hingegen scheint der schwierigste Schritt darin zu bestehen, „Nein“ zu sagen.
Das bedeutet nicht, dass solche Awards völlig nutzlos sind. Für manche Unternehmen können sie tatsächlich ein Marketinginstrument sein, ein Baustein im Gesamtbild, ein Logo unter vielen auf der Website. Aber dann sollte man sie auch als das behandeln, was sie sind: keine unabhängige Würdigung der unternehmerischen Leistungen, sondern bezahlte Werbung.
Vielleicht ist die ehrlichste Reaktion auf solche Mails daher weder Empörung noch Begeisterung, sondern ein leichtes Schmunzeln. Man wurde „nominiert“. Deshalb ist es beruhigend zu wissen, dass Exzellenz heutzutage offenbar keine Bewerbung mehr braucht, sondern nur noch einen Klick.
Tipps im Umgang mit „Award-Marketing“-Mails
Was daran auffällig ist
- Unverlangte Nominierung: Ihr wurdet „nominiert“, ohne euch beworben zu haben. Das ist ein gängiger Trick bei kommerziellen Awards.
- Druck durch Frist („May 22nd“) und einfache Teilnahme: Soll euch schnell zur Zusage bewegen.
- „Kostenlos, aber…“: Oft ist die Teilnahme gratis, aber es fallen Gebühren für Logos („Winner Badge“), Kosten für Veröffentlichungen / PR-Pakete an
- Unklare Auswahlkriterien: „merit-based“ wird behauptet, aber selten transparent erklärt.
Was in diesem Fall gegen klassischen Scam spricht
- Die in der Mail angegebene Firma existiert tatsächlich.
- Solche „Awards“ sind ein bekanntes Geschäftsmodell im B2B-Marketing.
- Kein direkter Versuch, Zugangsdaten oder Geld sofort abzugreifen.
Worum handelt es sich dabei?
Das Ganze fällt in die Kategorie: „Pay-to-play Awards“ / Marketing-Awards. Ihr gewinnt oft irgendwas, aber der eigentliche Zweck ist euch später kostenpflichtige PR- oder Werbeleistungen zu verkaufen.
Empfehlung
- Ignorieren, wenn ihr keinen Marketingnutzen seht
- Oder: kritisch nachfragen (Kosten? Kriterien? Jury?), nichts unterschreiben oder bestätigen, ohne Details
- Nicht klicken, wenn ihr nicht in die Falle des Trackings oder der Lead-Generierung tappen wollt
Faustregel
Wenn ihr euch nicht beworben habt und trotzdem „nominiert“ seid, geht es fast immer um Verkauf als um echte Auszeichnung.
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