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7 verdammt gute Wege, um unter Zeitdruck kreativ zu sein

In immer mehr Berufen und Branchen wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein hohes Maß an Kreativität verlangt. So haben Unternehmen mittlerweile erkannt, dass es nur mit einer guten Portion Kreativität möglich ist, z. B. Probleme zu lösen, neue Produkte und Services zu entwickeln, sich gegen den Wettbewerb durchzusetzen und das Unternehmen auf lange Sicht strategisch clever weiterzuentwickeln.

Doch nicht jedem Menschen fällt es leicht, kreativ zu sein. So manch einem Charakter in deinem Unternehmen kannst du mit einem energischen:“Machen Sie sich mal Gedanken über XY und präsentieren Sie mir morgen früh um 8 drei Vorschläge und eine grobe Strategie dazu!“ ganz schön aus der Fassung bringen, mächtig unter Druck setzen und der Auslöser für eine schlaflose Nacht sein, die dann zu allem Übel ergebnislos wie im Fluge vergeht.

Wenn du wie ich, in der Kreativbranche groß geworden bist, kennst du die Lust und den Frust mit der Kreativität und diesem scheußlichen Zeitdruck, der sich nur allzu gerne dazugesellt.

Doch wie bekommt man auf Knopfdruck eine oder mehrere zündende Ideen? Wie findest du innerhalb von kürzester Zeit mehrere Lösungen für ein Problem?

Um dir das zu erklären, muss ich kurz mit dir eine Reise in die Vergangenheit unternehmen: Mitte der 1990er habe ich meine ersten und zweiten Gehversuche als Designer, Art Director und Creative Director in großen und mittleren Werbeagenturen unternommen. Eine interessante Erfahrung, die so unglaublich interessant war, dass ich nach zwei Jahren die Flucht nach Vorne ergriffen habe und auf die Unternehmensseite gewechselt bin. Zunächst im Bereich der technischen Dokumentation, des Packaging und der Kreation und etwas über ein Jahr später als Werbe- und Marketingleiterin. Nicht dass du jetzt denkst, dass es dort entspannter war, als auf der Agenturseite. Nein, ganz im Gegenteil! Es war anstrengender, viel anstrengender.

Da war ich morgens noch nicht einmal ganz durch die Tür, als ich z. B. erfuhr, dass irgendein leitender, vergesslicher Depp aus dem Vertrieb bereits vor Monaten in irgendeinem bedeutenden, sehr teuren Magazin eine ganzseitige, vierfarbige Anzeigen fest gebucht hatte und fortan darauf bedacht war, dieses Geheimnis für sich zu behalten und wie einen Schatz zu hüten. Dieser Umstand an sich wäre ja noch nicht schlimm. Tatsächlich schlimm war dann aber die Antwort, die ich auf meine Frage erhielt: Wann ist denn Anzeigenschluß? Ääähhhh, ja, puuuhh…vor zwei Wochen! Vor zwei Wochen? Ja, ich weiß, das ist unglücklich, aber: du kriegst das doch hin! Die gehen auch erst morgen Abend in Druck…

Sehr witzig, charmanter Kollege! Diese Anzeige musste aber dummerweise noch nach Hongkong, zu einer Zeit, als eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von 56k quasi fast noch in den Sternen stand. Summa summarum hatte ich somit eine knappe Stunde inklusive Brainstorming (Idee, Produktauswahl, Zielgruppenansprache, Headline, Inhalte) mit dem Vertriebsleiter, die Korrekturen, die Übersetzungen, die Speicherung der Anzeige auf einem vorsintflutlichen Datenträger, Ordern eines Kurierdienstes zum Flughafen, und so weiter und so fort an der linken, mittleren und rechten Backe. Übrigens: Da ist ’ne verdammt gute Diät! Du nimmst trotz erheblicher Schokoriegelzufuhr innerhalb von 60 Minuten mindestens 3 kg ab!

Letztendlich haben wir das tatsächlich hingekriegt, die Anzeige ist rechtzeitig eingetroffen und erschienen. Solche oder ähnliche Situationen habe ich unzählige Male innerhalb der letzten 25 Jahre immer wieder gemeistert. Oft sehr gut, manchmal nur gut und ganz selten weniger gut. Wie so oft immer im Leben und insbesondere im Berufsleben, funktioniert das allerdings nicht ohne einen Plan oder eine Strategie, die unsichtbar dahinter steht.

Der erste Weg zu mehr Kreativität unter Zeitdruck – Mach dir einen verdammten Plan!

Wenn du per Überraschungsangriff einen unerwarteten, auf den ersten Blick unmöglich zu erfüllenden Eilauftrag erhältst, darfst du nicht in Panik verfallen. Bleib ruhig und gelassen. Atme tief durch und rufe dir positive Momente und deine Erfolge in Erinnerung. Verfalle bitte nicht in Wut und Aggressionen und gib niemandem (und schon gar nicht dir selbst) die Schuld dafür, dass ausgerechnet du mal wieder daran glauben musst. Sei dankbar und freue dich darüber, dass nur du diese einmalige Chance erhältst, dein Können unter sehr extremen Bedingungen unter Beweis zu stellen.

Wut und Aggressionen sind absolute Kreativitätskiller. Unter Wut verschwendest du deine ganze Energie nur auf negative Gedanken, die für die Lösung des Problems und Erfüllung deines Auftrages nicht förderlich sind. Stell dir bitte nicht vor, wie du deinem Chef oder deiner Chefin oder dem Kollegen die Arme oder die Beine brichst oder wie du ihm oder ihr im Moment der Abgabe ein weißes Blatt Papier vor die Füße knallst und fristlos kündigst! Erzähle auch nicht all deinen Kolleginnen und Kollegen, deinem Partner, Oma und Opa oder irgendwem, der dir zufälliger Weise gerade über den Weg läuft, was dir widerfahren ist und wie sehr dir das missfällt. Damit schadest du nicht nur dir selbst, sondern auch den von dir verbal vergewaltigten Zuhörern. Du gewinnst dabei nichts! Dein Zeitfenster ist in der Zwischenzeit sehr viel kürzer geworden und allen anderen hast du nur unnötig die Nerven und die Zeit geraubt.

Skizziere einen Plan und lege genau fest, welche Schritte erforderlich sind:

  1. Wie lautet der Auftrag genau? Was brauchst du, um den Auftrag zu erfüllen?
  2. Hast du alle erforderlichen Informationen? Wenn nicht, besorge sie dir sofort!
  3. Welche Einzelschritte sind erforderlich, um den Auftrag zu erfüllen?
  4. Wen brauche ich, um den Auftrag zu erfüllen? Kann ich Aufgaben abgeben oder delegieren?
  5. Wie viel Zeit beanspruchen die Einzelschritte?
  6. Welche Deadline ist vorgegeben und welche vorgezogene Deadline setzt du dir selbst, um Zeitpuffer zu schaffen?

Hast du diese 6 Punkte skizziert und notiert, siehst du alles schon sehr viel klarer und weißt ganz genau, was als Nächstes zu tun ist.

Ganz einfach, nicht wahr? Doch jetzt kommt die verflixte Sache mit der Kreativität ins Spiel.

Die Zeit läuft unaufhaltsam, tickeditack, tick tack. Du starrst auf die Uhr, dir fällt nichts ein. Das Blatt bleibt weiß und scheint sich unter deinen festgefahrenen Blicken in Transparenz aufzulösen. Es herrscht das Nichts, eine unerträgliche Leere in deinem Kopf.

Zum Teufel! SOS! Was nun?

Verbanne alle Uhren aus deinem unmittelbaren Sichtfeld, schalte dein Smartphone aus, lege es in eine Schublade, verschenke es oder schmeiße es aus dem Fenster und entspanne dich! Beseitige das Chaos auf deinem Schreibtisch und verschaffe dir tatsächlich sichtbaren, gedanklichen Freiraum. Beseitige alle Blockaden, die deinen Blick auf diesen einen, einzigartigen, großartigen Auftrag einschränken und behindern. Solltest du in einem Großraumbüro arbeiten, sage allen, dass du bis zum Zeitpunkt X keinerlei Störungen duldest. Leite deine Festnetznummer auf die Sprachbox oder einen adäquaten Kollegen um und bitte jemanden, dir in regelmäßigen, zeitlichen Abständen einen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben.

Sage dir jetzt 3 mal hintereinander in unterschiedlicher Wortwahl: Hey Leute, kein Problem, das schaffe ich! Mit anderen Worten: Manch einer braucht 80 Tage um die Welt! Ich nur 60 Sekunden bis zum Mars! Vielleicht aber auch so: Schnell wie der Blitz, schlau wie der Luchs, gerissen wie ein Fuchs!

Jetzt bist du dran! Nimm dir 45 Sekunden Zeit und überlege dir 3 Varianten. Notiere sie auf einem Blatt Papier. Sollte dir ein leeres, weißes Blatt Papier zu viel Respekt einflößen, verwende stattdessen ein schmuddelgraues Recyclingpapier mit Karos.

Und? Sind dir innerhalb dieser 45 Sekunden 3 Varianten eingefallen? Ja? Herzlichen Glückwunsch! Deine erste kreative Aufgabe unter Zeitdruck hast du erfolgreich gemeistert!

Am Mittwoch geht’s weiter! Im zweiten Teil auf dem Weg zu mehr Kreativität unter Zeitdruck, erfährst du, warum es mit zunehmendem Alter sehr viel leichter wird, kreativ zu sein und wie man die Zeit dehnen kann…